Ein Bericht vom dritten Wochenende einer Seminarreihe für junge Menschen aus Wohngruppen und Pflegefamilien in Sachsen.
Und dann war es schon so weit: Das dritte und letzte Wochenende unserer Seminarreihe 2026 stand bevor. Alle waren gespannt, freuten sich auf die gemeinsamen Tage voller Austausch, Kreativität und neuer Erlebnisse – ein Wochenende zwischen Abschied und Aufbruch.
Am Freitag kamen einige etwas später wegen des Bahnchaos. Da wir etwas abgelegen am Wald im Sonnenhof übernachteten, war noch ein Stück zu Fuß zu bewältigen. Dennoch fanden alle den Weg, haben sich sogar gegenseitig von der Haltestelle abgeholt. Die Freude über das Wiedersehen war groß, einige hatten sich in der Zwischenzeit verabredet und zusammen etwas unternommen. Mit einem gemeinsamen Abendessen- Nudeln mit Tomatensoße, weil die einfach jede*r mag- begannen wir das letzte Wochenende der Seminarreihe. Nach dem Essen und Gesprächen, was in der Zwischenzeit bei jeder Person so passiert ist und wie es allen geht, trafen wir uns im Seminarraum und besprachen den Ablauf des Wochenendes, Sorgen, Ängste, Wünsche und unseren Codex in großer Runde. Anschließend haben wir den Raum in einen Kinosaal verwandelt. Diejenigen, die Lust auf einen Kinoabend hatten, haben Zoomania 2 geschaut: ganz gemütlich auf den Sofas mit Popcorn, Chips und Schokolade.
Samstagmorgen starteten wir mit einem gemeinsamen Frühstück in den Tag. Einiges war an inhaltlichen Workshops zum Thema „Hilfe nach der Hilfe“ und „Erste eigene Wohnung“ auf unserem Tagesplan. Begonnen haben wir mit einer Kleingruppenarbeit zum § 41a: Nachbetreuung und § 10a: Beratung. Die jungen Menschen erhielten die Kommentierungen zu den Gesetzestexten und fanden selbstständig heraus, was genau die Paragrafen eigentlich bedeuten. Anschließend stellten sie sich die Ergebnisse gegenseitig in großer Runde vor. Das Lesen und Verstehen von Gesetzestexten kann wirklich herausfordernd sein. Auch wenn die jungen Menschen das gut gemeistert haben, ist es wichtig, dass sich vor allem Fachkräfte mit den Rechten der jungen Menschen auseinandersetzen, um sie gut unterstützen zu können.
Nach einer Mittagspause haben wir uns mit Mietverträgen auseinandergesetzt: Verschiedene waren als Kopie vorhanden und dazu gab es eine Menge Fragen zu beantworten: „Darf ich ein Haustier haben“, „Was passiert, wenn ich etwas kaputt mache“ und „Was mache ich eigentlich, wenn ich wieder ausziehen möchte?“ In Kleingruppen wurden die unterschiedlichen Fragen beantwortet und die Ergebnisse im Plenum präsentiert und diskutiert. Es wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen, um genau zu lesen, im Zweifel Rückfragen zu stellen und bei diesem ganzen Prozess Unterstützung zu erhalten.
Nach diesen zwei sehr inhaltlichen Workshops sollte es nun etwas kreativer werden. Und so konnten die jungen Menschen ihre Traumwohnung gestalten – als Grundriss auf einem A3-Papier, selbst gemalt oder auch mit verschiedenen Stickern beklebt. Die Ergebnisse reichten von Wgs aus neu geschlossenen Freundschaften und Haustieren, über ein Gästezimmer für Besucher*innen und große Esstische bis hin zu Abstellkammern für Reinigungsmittel oder einem eigenen Raum für Fitnessgeräte. Manche träumten groß, andere hielten es eher minimalistisch – doch alle Entwürfe waren einzigartig, genau wie die jungen Menschen selbst. Die erste eigene Wohnung soll gemütlich sein und ihren eigenen Vorstellungen entsprechen. Gleichzeitig beschäftigen einige auch Sorgen – etwa, ob sie den Alltag allein bewältigen oder sich die gewünschten Möbel überhaupt leisten können.
Anschließend ging es auch kreativ weiter: von abstrakter Leinwandgestaltung über Modellieren mit Ton und Fimo bis hin zu Schlüsselanhängern, Henna-Tattoos und vielem mehr. Die jungen Menschen nutzten die Gelegenheit, um etwas ganz Persönliches gestalten – vielleicht auch für ihre erste eigene Wohnung.
Zum Abendessen wünschten sich die Carelaever*innen Wraps mit verschiedenem Gemüse, Hähnchen und auch veganem Gyros. Und das haben wir uns dann alle gut schmecken lassen. Da es unser letzter gemeinsamer Abend war, haben wir den Tag bei einem gemütlichen Lagerfeuer im Garten des Sonnenhofes ausklingen lassen. Besonders lecker waren dabei die Marshmallows, deren Zubereitung über dem offenen Feuer etwas Übung und Geduld erforderten.
Zum Abschluss unserer Seminarreihe haben wir gemeinsam noch einmal zurückgeschaut: Was haben wir erlebt, gelernt und miteinander geteilt? Dabei haben die Careleaver*innen für sich reflektiert: Was nehme ich mit in meinen Koffer für die Zukunft und was lasse ich hier im „Mülleimer“ zurück?
Abschließend gab es noch eine „warme Dusche“: Alle schrieben nette Worte und Komplimente für die anderen auf ein Blatt Papier – Kleine Botschaften, die zeigen, wie wertvoll jede*r von uns ist und die uns als Erinnerung an diese besonderen Wochenenden begleiten werden. Mit einem Herz voller Erinnerungen und einem Koffer voller neuer Ideen und Erfahrungen endete das letzte Seminarwochenende.
Der größte Dank geht an die Careleaver*innen: Danke, dass ihr dabei wart! Ihr habt die Wochenenden zu etwas ganz Besonderem gemacht. Wir werden diese Zeit mit euch sehr vermissen. Aber wir werden uns sicher wiedersehen- vielleicht schon im August zum Jahrestreffen der Landesjugendkonferenz im Vogtland.
Ein weiterer Dank geht an die Drosos Stiftung, ohne die diese Seminarreihe nicht stattfinden könnte.
Dieser Text ist in Absprache und mit Einspruchsmöglichkeiten mit den jungen Menschen entstanden.
Infos: www.careleaverzentrum.de