Careleaver Zentrum Dresden

Zwischen Pizza, Perspektiven und Plänen: Mutig in ein selbstbestimmtes Leben

Ein Bericht vom zweiten Wochenende einer Seminarreihe für junge Menschen aus Wohngruppen und Pflegefamilien in Sachsen.

Anfang März 2026 kamen 12 junge Menschen auf Einladung des Kinder- und Jugendhilferechtsvereins e.V. für das zweite Seminarwochenende der Careleaver*innen Seminarreihe 2026 in Dresden zusammen, um über besondere Themen zu sprechen. 🏡✨ Alle leben in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, verteilt in ganz Sachsen. Alle können aus unterschiedlichen Gründen nicht zuhause leben. Viele gemeinsame Themen verbinden sie – etwa das Aufwachsen in Wohngruppen oder Pflegefamilien, Erfahrungen mit Stigmatisierung, Herausforderungen in der Familie oder Konflikte in der Wohngruppe. Sie eint auch, dass sich alle auf dem Weg in die Selbständigkeit befinden. 🚀 Viele stehen kurz vor dem Auszug, verbunden mit Hoffnungen, aber auch vielen Unsicherheiten. 💭

Vom 06.03. bis 08.03. kamen wieder jungen Menschen im Rahmen der Careleaver*innen Seminarreihe 2026 im Sonnenhof in Dresden zum zweiten Seminarwochenende zusammen. Unter dem Motto „Mein Weg in ein selbstbestimmtes Leben“ setzten sich die Teilnehmenden in verschiedenen Einheiten mit ihren Rechten und Themen rund ums eigenständige Leben auseinander. Am Freitagabend belegten wir selbst Pizza 🍕 und freuten uns über das Wiedersehen. Viele hatten etwas zu erzählen, schöne aber auch traurige Erlebnisse. Am Abend spielten wie Spiele, wie Privacy und Werwölfe 🎲 und ließen den Abend mit viele wunderbaren Gesprächen ausklingen.

Samstag begann der Tag nach dem Frühstück direkt mit dem ersten Workshop, eine Fortsetzung zum Einblick in die Rechte vom letzten Wochenende. Dabei schlossen wir inhaltlich an die schon angeschauten Rechte an. Nach diesem kleinen Rückblick und weiteren Ergänzungen hatten wir eine gute Grundlage für den Tag. 📚

Im Anschluss erwarten die Careleaver*innen drei Workshop-Stationen, bei denen sie sich mit Themen rund um die erste eigene Wohnung 🏠, Finanzierungsmöglichkeiten 💸 und Unterstützung in Schule oder Beruf 🎓 auseinandersetzten konnten. Hier konnten sie sich am Ausfüllen von Anträgen ausprobieren und Fragen sowie eigene Erfahrungen rund um die Themen teilen.

Nach dem Mittagessen gab es erstmal eine längere Pause zum Essen, Quatschen 🗣️ oder einfach auch Abschalten. Am Nachmittag starteten wir wieder locker mit einem Warm-up, bevor es in die Gruppenarbeit ging: Gemeinsam überlegten alle in großer Runde, was Careleaver*innen eigentlich für ein selbstständiges Leben brauchen. Hier wurde eine Menge zusammengetragen: die gemeinsame Sammlung reichte von praktischen Dingen über persönliche Stärken 💪 bis zu Unterstützungsnetzwerken 🤝. Zum Abschluss hielten wir den Tag mit einem Gruppenfoto 📸 fest.

Neben den inhaltlichen Themen kam auch das Miteinander nicht zu kurz: ein gemeinsamer Abend mit Spielen und Lagerfeuer 🔥 sorgten für viele schöne Momente und Gemütlichkeit. Zum Abendessen ließen wir uns ein selbstgekochtes Curry mit Reis oder Nudeln schmecken. 🍛

Am Sonntag starteten wir mit in den letzten Tag des Seminarwochenendes. Nun galt es eine kurze Vorführung eines Hilfeplangespräches einzuüben: Jedoch einmal, wie es nicht laufen sollte, und beim zweiten Mal, so, wie sie sich es wünschen würden. Dabei zeigte sich, dass die Version, wie es nicht laufen sollte, oftmals eher den Erfahrungen entspricht, die viele der Teilnehmenden machen.

Ein Hilfeplangespräch sollte unterstützen, doch oft erleben junge Menschen leider das Gegenteil: Viele machen die Erfahrung, dass sie nicht richtig begrüßt werden, kaum zu Wort kommen und sich klein geredet fühlen. Einige berichteten, dass der Fokus oftmals ausschließlich auf dem liegt, was nicht gut läuft und ihre Perspektive wenig einbezogen bzw. ernst genommen werden. Manche erleben, dass ihre Emotionen kritisiert werden, ihre Wahrnehmung in Frage gestellt wird und Entscheidungen ohne sie getroffen werden. So entsteht schnell das Gefühl, dass alle gegen einen stehen und die Sicht der Fachkräfte mehr Gewicht hat als die Eigene. Auch Druck spielt für viele eine große Rolle, z.B. dadurch, dass sie gedrängt werden, mit 18 Jahren aus der Wg auszuziehen – obwohl sie ein Recht auf Hilfe bis mind. zu ihrem 21. Lebensjahr haben!

Die Erfahrungen der jungen Menschen waren nicht alle negativ. Manche berichteten auch davon, dass sie sich in ihren Hilfeplangesprächen gesehen fühlen und die Erfahrung machen, dass viel Vertrauen in sie und ihre Zukunftspläne gesteckt wird. 🌱 In ihrer gemeinsamen Version eines guten Hilfeplangesprächs, steht der junge Mensch im Mittelpunkt, wird ernst genommen, auf Augenhöhe einbezogen und aktiv an Entscheidungen beteiligt – das fängt schon bei der gemeinsamen Terminfindung an. Um sich gut beteiligen zu können, braucht es eine angenehme Atmosphäre – und die beginnt oft schon bei kleinen Dingen: etwa bei der Gestaltung des Raums, in dem das Hilfeplangespräch stattfindet, wie die jungen Menschen begrüßt werden oder bei der Frage, ob Getränke und Snacks für sie bereitstehen. 🥤 Sie wünschen sich, dass ausreichend Zeit für sie eingeplant wird, sodass Raum für ihre Gedanken, Fragen und auch ihre Gefühle bleibt – ohne dafür kritisiert zu werden. Dabei ist ihnen wichtig, Vertrauen zu erfahren sowie Bestärkung und Unterstützung bei ihren Vorhaben zu erhalten, auch wenn vielleicht nicht alles gelingt. Entscheidend ist, dass sie sich ohne Angst ausprobieren können. All das braucht Zeit und Fachkräfte, denen das Thema Beteiligung wirklich wichtig ist – auch über das 18. Lebensjahr hinaus!

Beim Rollenspiel wurde es dann auch sehr emotional, weshalb wir anschließend einen „Schrei-Kreis“ bildeten und gemeinsam all unsere Emotionen herausschrien.

Der Austausch, die Offenheit und das gegenseitige Vertrauen machen diese Wochenenden besonders – dafür danken wir allen Teilnehmenden und freuen uns schon aufs nächste Treffen! 💛

Ein weiterer Dank geht an die Drosos Stiftung, ohne die diese Seminarreihe nicht stattfinden könnte. 🙏
Diese Texte sind in Absprache und mit Einspruchsmöglichkeiten mit den jungen Menschen entstanden.